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SUMMER of ENGINEERING 2017

SUMMER of ENGINEERING 2017

MURRELEKTRONIK Seit wann

MURRELEKTRONIK Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema Industrie 4.0 und wie definieren Sie Industrie 4.0 für sich? Welche Herausforderung sehen Sie konkret für Ihr Unternehmen? Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Thema Industrie 4.0 seit Anfang 2014. Bei bestimmten Dingen wartet man mal ab, aber bei diesem Thema war uns klar: Hier wollen wir gestalten! Wir sind verankert im ZVEI, der ja die Industrie-4.0-Plattform mitträgt. Außerdem engagieren wir uns in diversen Gremien und Forschungsgemeinschaften wie PNO, Automation ML und vielen mehr. Wir sind diejenigen, die mitgestalten, die aber nicht jedes Produkt, was sie auf dem Markt launchen, dem Modewort unterordnen. Unser Entwicklungsleiter hat Industrie 4.0 einmal folgendermaßen definiert: „Globale Verfügbarkeit und Transparenz aller Daten und Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort.“ Das ist Digitalisierung. Und diese Definition finde ich einfach nur gut, weil sie so simpel ist. Die Diskussion, was Industrie 4.0 eigentlich ist und was nicht, ist in den letzten Jahren deutlich vorangeschritten. Im Rahmen der ZVEI-Plattform haben wir genau definiert, was wir darunter verstehen – und auch was wir nicht darunter verstehen. Allerdings sind die weltweiten Strömungen und Definitionen bei weitem noch nicht harmonisiert und abgestimmt. Wenn man die verschiedenen Meinungen zu dem Thema Digitalisierung übereinanderlegt, ist das Bild im Moment verschwommen. Die Kunst ist es jetzt, die Meinungen so aufeinanderzulegen und zu verzahnen, dass es ein scharfes Bild gibt. Das Fundament, in Form von Standards, muss da sein, aber ganz wichtig ist es, das Thema nicht totzureden, sondern jetzt endlich mal etwas zu tun. Die Herausforderung ist und bleibt, beides zu vereinen: Standards schaffen, als Basis, um darauf aufbauen zu können und dann aktiv sein – machen! Die Industrie-4.0-Plattform hat zur HMI 2017 eine Kriterien- und Produkteigenschaftentabelle für eine Industrie-4.0-Komponente vorgestellt: Was muss solch eine Komponente alles können? Und wie muss sie strukturiert sein? Das ist für einen Geräte- und Systemhersteller wie die Murrelektronik natürlich schon ein Stück Basis. Jetzt das Richtige zur richtigen Zeit zu tun und dabei den Nerv der Bedürfnisse unserer Kunden zu treffen, das ist derzeit für uns die größte Herausforderung. 22 SUMMER of ENGINEERING 2017

SUMMERof 2017 ENGINEERING Lebensmittel, Automobil, Logistik, allgemeiner Maschinenbau: Sie sind in vielen Branchen unterwegs. Spüren Sie branchenspezifische Unterschiede was den Umgang mit dem Thema Industrie 4.0 angeht? Das Thema Digitalisierung ist sehr wohl angekommen, in allen Branchen – das ist nicht das Thema. Viele der Kunden, mit denen ich gesprochen habe, haben ein eigenes Bild. Und es gibt natürlich auch große Industriezweige, die heute schon anfangen, das Ding für sich zu definieren, ohne sich Gedanken darum zu machen, ob es in das Bild von Industrie 4.0 von der ZVEI- Plattform passt. Den Kunden interessiert das Wort Industrie 4.0 nicht. Ich glaube auch, dass wir aufpassen müssen, dass wir das Wort jetzt nicht zu sehr abnutzen, dass es in zwei Jahren dann auf einmal einen negativen Charakter bekommt. Wir müssten viel mehr über das Thema Lösung sprechen als über die Methodik. Lasst uns doch das Wort mit Inhalt füllen, in Form von „was hat denn unser Kunde davon“. Denn das ist es, was interessiert: das Ergebnis. Im Endeffekt geht es nur um eins: Welchen Wettbewerbsvorteil erarbeite ich mir im Markt, was ist mein Kundennutzen, schneller, höher, weiter, Zeit- und Kostenoptimierung, … Und wie kann die Installations - technik hier helfen? Welche Rolle spielt sie in der Digitalisierung? Das Thema Installationstechnik ist ja etwas, das in einer frühen Phase ansteht, in der der Kunde viel Zeit, Geld und Platz aufwenden muss, um die Anlage aufzubauen. Je schneller und je fehler - freier die Elektroinstallation erfolgen kann, umso mehr Geld spart er. Das heißt: Rationalisie rung spielt hier eine große Rolle. Wenn ich jetzt in meinem Engineering-Prozess eine Anlage virtualisiere – wenn ich keinen Datenbruch mehr habe zwischen den Systemen – wenn ich alle Informationen aus den Systemen mit definierten Schnittstellen in eine Virtualisierung bringen und die Anlage virtuell in Betreib nehmen kann und das Ganze dann per Knopfdruck einfach in die reale Anlage reinschießen kann, dann hat der Kunde was davon. Und zwar: Er spart Zeit, Geld und Platz. Und wenn ich jetzt noch die realen Daten aus der bestehenden Anlage auch wieder in die virtuelle Welt reinschieben kann: Das ist Industrie 4.0. Das ist Digitalisierung. Wirkt sich z. B. eine Anforderung an Maschinenbauer, wie die der Stückzahl-1-Produktion, bis in die Installationsebene aus? Für Stückzahl 1 muss die Anlage eins sein: brutal flexibel und modular. Und das hat natürlich wieder was mit Installationstechnik zu tun. Je modularer, je einfacher ich die Anlage individuell auf das jeweilige Produkt anpassen kann, je schneller, je automatisierter ich das machen kann, umso mehr kann ich diese Anforderung aus dem Markt erfüllen. Wie bauen Sie darauf Ihre Unternehmens- bzw. Produkte-Strategie auf? Unsere Produkte sind dezentral. Was heißt das? Sie sind nicht im Schaltschrank. Sie sind modular. Sie sind individuell zusammensteckbar wie Lego. Deshalb passen sie gut in dieses Ideenbild. Wir haben unseren Schwerpunkt auf die Verbindung zwischen der Steuerung und der Sensor/ Aktor-Ebene gelegt. Und mit der Digitalisierung verändert sich hier etwas. Die Steuerung steht nicht mehr an der Spitze und ist der Dirigent, sondern der Dirigentenstab wird 1:1 weitergereicht in eine nächste Ebene; in eine Cloud, eine Factory-Cloud, oder was auch immer. Jetzt haben wir die Chance als Murrelektronik an der jeweiligen Steuerung vorbei mit diesem über- SUMMER of ENGINEERING 2017 23

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